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Fachchinesisch auf Websites: Die 20 häufigsten Sätze, die Kunden abschrecken

• von Dirk • 12 Min. Lesezeit
Fachchinesisch auf Websites

Es gibt einen Satz, der auf erschreckend vielen Unternehmenswebsites vorkommt – in unterschiedlichen Varianten, aber mit demselben Problem:

„Wir bieten innovative, ganzheitliche Lösungen für nachhaltige Wertschöpfung."

Kein Mensch, der nicht selbst in einer Marketingabteilung arbeitet, weiß nach diesem Satz, was das Unternehmen macht. Trotzdem steht er auf tausenden Websites – weil er professionell klingt, weil niemand widerspricht, und weil die Menschen, die ihn schreiben, längst aufgehört haben, ihn mit den Augen eines Außenstehenden zu lesen.

Das ist Fachchinesisch. Und es kostet täglich Anfragen.

Dieser Artikel zeigt Ihnen 20 Sätze, die auf deutschen Unternehmenswebsites regelmäßig auftauchen – und erklärt, warum sie nicht funktionieren. Mit konkreten Alternativen, die Sie direkt übernehmen oder anpassen können.

Warum Fachchinesisch entsteht – und warum es so hartnäckig ist

Niemand setzt sich hin und denkt: „Ich schreibe jetzt absichtlich unverständlich." Fachchinesisch entsteht aus dem Gegenteil: aus zu viel Vertrautheit mit dem eigenen Thema.

Wer jahrelang in einer Branche arbeitet, verinnerlicht deren Sprache. Begriffe, die für Außenstehende kryptisch sind, werden zur Selbstverständlichkeit. Der „Fluch des Wissens" – ein gut belegtes psychologisches Phänomen – sorgt dafür, dass Experten systematisch unterschätzen, wie wenig andere über ihr Fachgebiet wissen.

Das Ergebnis: Websites, die für Kollegen verständlich sind – aber nicht für Kunden.

Hinzu kommt: Fachsprache klingt seriös. Sie signalisiert Kompetenz. Intern, in Präsentationen, auf Konferenzen funktioniert das auch. Auf einer Website, die einen Fremden in den ersten fünf Sekunden überzeugen soll, funktioniert es nicht.

20 Sätze, die Kunden abschrecken – und bessere Alternativen

1. „Wir bieten innovative, maßgeschneiderte Lösungen."

Warum es nicht funktioniert: „Innovativ" und „maßgeschneidert" sind die meistgenutzten Adjektive auf deutschen Unternehmenswebsites. Sie sagen nichts Konkretes aus – weil jeder Anbieter das behauptet.

Besser: „Wir entwickeln Software, die genau auf Ihre Prozesse passt – ohne Standardlösungen, die Sie später anpassen müssen."

2. „Ganzheitliche Beratung für nachhaltige Wertschöpfung."

Warum es nicht funktioniert: Beide Substantive sind inhaltsleer. Was ist „ganzheitlich"? Was ist „Wertschöpfung" für Ihren Kunden konkret?

Besser: „Wir analysieren Ihr Unternehmen von Anfang bis Ende – und zeigen Ihnen, wo Sie Geld verlieren und wie Sie es zurückbekommen."

3. „Als Ihr zuverlässiger Partner begleiten wir Sie auf Ihrem Weg."

Warum es nicht funktioniert: „Zuverlässiger Partner" ist eine Selbstaussage ohne Beleg. „Auf Ihrem Weg" ist so vage, dass es nichts aussagt.

Besser: „Wir sind während des gesamten Projekts erreichbar – und liefern, was wir vereinbart haben. Ohne Überraschungen."

4. „Wir denken vernetzt und handeln agil."

Warum es nicht funktioniert: „Agil" ist ein Begriff aus der Softwareentwicklung, der inzwischen auf jede Branche angewendet wird – und dabei seinen Sinn verloren hat.

Besser: „Wir passen uns schnell an, wenn sich Ihre Anforderungen ändern – ohne dass Sie einen neuen Auftrag erteilen müssen."

5. „Unsere Kernkompetenz liegt in der interdisziplinären Prozessoptimierung."

Warum es nicht funktioniert: „Interdisziplinär" und „Prozessoptimierung" klingen nach einer Stellenausschreibung, nicht nach einem Kundenversprechen.

Besser: „Wir verbessern Abläufe, die zu langsam sind oder zu viel kosten – und zwar abteilungsübergreifend, nicht nur an einer Stelle."

6. „Wir schaffen nachhaltige Mehrwerte für Ihre Stakeholder."

Warum es nicht funktioniert: „Stakeholder" ist Insidersprache. „Nachhaltige Mehrwerte" ist eine Doppelung von zwei bereits leeren Begriffen.

Besser: „Unsere Arbeit nutzt nicht nur Ihnen – sondern auch Ihren Kunden und Mitarbeitenden."

7. „Mit unserer Expertise begleiten wir Sie durch den digitalen Wandel."

Warum es nicht funktioniert: „Digitaler Wandel" ist seit 2015 auf jeder zweiten Unternehmenswebsite zu finden. Er erklärt nichts und differenziert nicht.

Besser: „Wir helfen Ihnen, papierbasierte Prozesse zu digitalisieren – zum Beispiel Angebotserstellung, Rechnungsstellung oder Kundenkommunikation."

8. „Qualität, Verlässlichkeit und Kundenorientierung sind unsere obersten Werte."

Warum es nicht funktioniert: Das sagen buchstäblich alle. Wenn alle dasselbe sagen, sagt niemand etwas.

Besser: Zeigen statt behaupten. Eine konkrete Referenz, eine Kundenstimme, eine Garantie – das beweist Qualität. Der Satz darüber nicht.

9. „Wir entwickeln zukunftsorientierte Strategien für Ihr Business."

Warum es nicht funktioniert: „Zukunftsorientiert" und „Business" (statt „Unternehmen") klingen nach Anglizismus-Bingo. Kein Inhalt, kein Versprechen.

Besser: „Wir erarbeiten mit Ihnen einen konkreten Plan für die nächsten 12 Monate – inklusive Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und messbaren Zielen."

10. „Unsere Lösungen sind skalierbar, modular und cloud-basiert."

Warum es nicht funktioniert: Drei Adjektive, die nur IT-Fachleute einordnen können. Für den Inhaber eines mittelständischen Unternehmens bedeuten sie nichts.

Besser: „Unsere Software wächst mit Ihrem Unternehmen – Sie zahlen nur für das, was Sie brauchen, und können jederzeit erweitern."

11. „Wir leben Diversität und Inklusion."

Warum es nicht funktioniert: Als Selbstaussage ohne Kontext oder Nachweis wirkt das wie ein Pflichtabschnitt im Nachhaltigkeitsbericht, nicht wie eine echte Aussage.

Besser: Wenn das ein echter Wert ist, konkret belegen: „Unser Team kommt aus sieben verschiedenen Ländern – und genau diese Perspektivenvielfalt nutzen wir bei der Arbeit für unsere Kunden."

12. „360-Grad-Kommunikation aus einer Hand."

Warum es nicht funktioniert: „360-Grad" ist ein Marketingbegriff, den Kunden nicht verstehen – und der inzwischen so oft verwendet wird, dass er keine Bedeutung mehr trägt.

Besser: „Wir übernehmen alles: Strategie, Texte, Design und Social Media. Sie haben einen Ansprechpartner für alle Kanäle."

13. „Synergetische Ansätze für maximale Performance."

Warum es nicht funktioniert: Das ist kein Satz – das ist eine Ansammlung von Buzzwords ohne inhaltlichen Kern.

Besser: „Wenn Marketing, Vertrieb und Produkt an einem Strang ziehen, kommen mehr Aufträge rein. Genau das setzen wir um."

14. „Wir optimieren Ihre Customer Journey."

Warum es nicht funktioniert: „Customer Journey" ist Marketingfachsprache. Viele Entscheidungsträger in KMU kennen den Begriff nicht – oder verbinden ihn nicht mit ihrem konkreten Problem.

Besser: „Wir schauen uns an, wie Ihre Kunden Sie finden, was sie auf Ihrer Website erleben, und warum manche kaufen – und manche nicht."

15. „Best-in-class Lösungen für anspruchsvolle Kunden."

Warum es nicht funktioniert: „Best-in-class" ist eine Selbstbezeichnung, die niemand glaubt, der sie von einem Unternehmen über sich selbst liest. „Anspruchsvolle Kunden" klingt nach Selbstlob.

Besser: „Unsere Kunden sind Unternehmen, die gute Arbeit von mittelmäßiger Arbeit unterscheiden können – und sich deshalb für uns entschieden haben."

16. „Wir begleiten Sie auf dem Weg zur digitalen Exzellenz."

Warum es nicht funktioniert: „Digitale Exzellenz" ist ein Begriff ohne Definition. Was bedeutet Exzellenz hier? Und woran erkennt man, dass man sie erreicht hat?

Besser: „Wir helfen Ihnen, digitale Prozesse einzuführen, die tatsächlich funktionieren – und nicht nach drei Monaten wieder aufgegeben werden."

17. „Durch unsere ganzheitliche Herangehensweise erzielen wir messbare Ergebnisse."

Warum es nicht funktioniert: „Ganzheitlich" taucht schon zum zweiten Mal auf dieser Liste auf – weil es so häufig vorkommt. „Messbare Ergebnisse" klingt gut, sagt aber nicht, welche.

Besser: „In den ersten drei Monaten analysieren wir, wo Ihre Website Besucher verliert. Danach optimieren wir gezielt – mit klaren Zahlen vorher und nachher."

18. „Wir sind Ihr kompetenter Ansprechpartner für alle Fragen rund um X."

Warum es nicht funktioniert: „Kompetenter Ansprechpartner" ist eine Floskel, die auf jede Website passt – und deshalb auf keine wirklich passt.

Besser: Den Satz weglassen und stattdessen zeigen, für welche konkreten Fragen Sie zuständig sind: „Sie fragen, wir antworten – auch wenn die Antwort mal unbequem ist."

19. „Unsere Leidenschaft ist Ihr Erfolg."

Warum es nicht funktioniert: „Leidenschaft" ist das meistgenutzte Wort auf deutschen Unternehmenswebsites nach „innovativ". Es sagt nichts über das Unternehmen aus.

Besser: Was treibt Sie wirklich an? Schreiben Sie das. Konkret, ehrlich, ohne Hochglanzformulierung.

20. „Mit uns sind Sie für die Herausforderungen von morgen gewappnet."

Warum es nicht funktioniert: Das klingt nach einer Versicherungsbroschüre aus dem Jahr 2008. Welche Herausforderungen? Wie genau gewappnet?

Besser: „Wir bereiten Sie auf die drei Entwicklungen vor, die Ihre Branche in den nächsten zwei Jahren verändern werden – und erarbeiten mit Ihnen, wie Sie davon profitieren statt betroffen sein."

Das Muster hinter den schlechten Sätzen

Wenn Sie die 20 Beispiele durchlesen, fällt ein Muster auf: Alle schlechten Sätze haben etwas gemeinsam. Sie sind entweder:

Die besseren Alternativen hingegen sind konkret, spezifisch, kundenzentriert und in normaler Sprache formuliert. Das klingt nach einer einfachen Formel. Und das ist es auch – aber sie anzuwenden erfordert Abstand von der eigenen Perspektive.

Der entscheidende Test für jeden Satz auf Ihrer Website

Bevor Sie einen Satz auf Ihrer Website stehen lassen, stellen Sie sich eine einzige Frage:

„Könnte jemand, der meinen Bereich nicht kennt, diesen Satz ohne Rückfragen verstehen?"

Wenn die Antwort Nein ist: Schreiben Sie den Satz um. Nicht schöner, nicht länger – sondern konkreter.

Ein einfacher Gegencheck: Ersetzen Sie in Ihrem Satz das, was Ihr Unternehmen tut, durch das, was Ihr Wettbewerber tut. Wenn der Satz immer noch stimmt: Er ist zu allgemein.

„Wir bieten innovative, maßgeschneiderte Lösungen" – gilt für jeden. Also bedeutet er nichts.

„Wir entwickeln Buchhaltungssoftware für Handwerksbetriebe, die ohne IT-Kenntnisse auskommt" – gilt für Sie. Also bedeutet er etwas.

Fazit: Klarheit schlägt Klang

Fachchinesisch klingt professionell – aber es wirkt nicht. Wer schreibt, um zu klingen, verliert die Besucher, die eigentlich Kunden werden könnten.

Wer schreibt, um verstanden zu werden, gewinnt sie.

Der Wechsel von Fachsprache zu klarer Kundensprache ist keine Frage des Talents. Es ist eine Frage der Perspektive. Wer aufhört, seine Website mit den eigenen Augen zu lesen – und anfängt, sie mit den Augen eines Erstbesuchers zu lesen – wird schnell sehen, wo das Problem liegt.

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